Ab heute lieben wir Katzen – Ogilvys Werbethesen
Die Werbeagentur Ogilvy & Mather hat Thesen für neue Werbestrategien ausgearbeitet (via: Werbetexter). Das klingt erstmal nicht sehr dramatisch. Und vor allem mag sich der geneigte Leser nun fragen: Was hat das mit Katzen zu tun?
Ich versuche es mal zu erklären: Ich bin eigentlich ein Fan von Hunden. Hunde freuen sich, wenn man nur da ist. Man wirft das Stöckchen, schon laufen sie hinterher und bringen es brav wieder zurück. Bei einer Katze ist ein solches Verhalten undenkbar. Katzen sind störrisch und eigensinnig. Will man sie streicheln, laufen sie weg – weil sie gerade keine Lust haben. Will man mit ihnen spielen, zerkratzen sie einem die Hände – weil das eben Spielen für sie ist. Wer versucht, eine Katze zu erziehen, erntet nur Widerstand – keine Chance auf Erfolg!
Klar, worauf ich hinaus will? Wo Hunde der Freund des Menschen sind, am Menschen hängen und ihn bedingungslos lieben, sind Katzen die pure Anstrengung und verlangen ständiges Bemühen um ihre Aufmerksamkeit. Kurz: Der Hund läuft dem Menschen hinterher – der Mensch läuft der Katze hinterher.
Und um nun endlich wieder auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: Was haben die neuen Werbestrategien mit Katzen zu tun?
“Der Konsument ist kein Hund mehr, sondern eine Katze.”
So bringt es Thomas Strerath, Deutschland-Chef von Ogilvy, auf den Punkt. Schuld an allem ist natürlich das Internet. Dieses macht den Kunden/Konsumenten von heute autonomer. Der hat dank des Internets längst begriffen, dass er selbst bestimmen kann, wann er etwas liest, ansieht oder anklickt. “Aufdringliche Kauf-Mich-Appelle wirken ohnehin gestrig und gequält”, so die Wirtschaftswoche. Könnte auch heißen: Katzen/Konsumenten sind nicht mehr berechenbar. Ihre Vorliebe für ein bestimmtes Futter, lässt sich nicht dadurch beeinflussen, indem man sie an jeder Ecke damit konfrontiert. Da muss man sich schon etwas mehr Mühe geben – sie überraschen und sie selbst entscheiden lassen, wann sie das Produkt nutzen.
Einen Mittelpunkt der Ogilvy-Strategie stellen Meinungsführer im Internet dar – sogenannte “Alphas”. Genau diese Alphas müssen laut Ogilvy überzeugt – und mehr oder weniger zum Spielen inspiriert werden.
Denn auch wenn die Mavens – ähm… Alphas nur ca. einen Prozent der Internetnutzer darstellen und vielleicht nichts massig Freunde und Kontakte haben, sind sie es, auf die der gemeine Internetnutzer hört. Auf einen Beitrag eines Alphas reagieren weitere zehn Prozent der Internet-Nutzer. Und die beeinflussen dann die restlichen 89 Prozent.
Der Traum der Werber: Wer es schafft, dieses eine Prozent zu überzeugen, hat das Massenmedium der Zukunft auf seiner Seite. (Wirtschaftswoche)
Hach – ist das Leben nicht einfach?
(Btw: das Konzept ist natürlich nicht neu. Ich erinnere nur an die Mavens von Malcolm Gladwell (das Prinzip wird von Mark Pohlmann bspw. schon seit einiger Zeit vertreten). Auch wenn es laut Ogilvy egal ist, über welche Anzahl von Kontakten das Alphatierchen verfügt, läuft es doch auf ein ähnliches Prinzip hinaus.)
Ab heute also lieben wir Katzen, bemühen uns um sie und versuchen ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Wir nehmen sie ernst und legen Wert auf ihre Bedürfnisse. Wir interessieren uns für das, was sie wirklich brauchen und benötigen. Kurz: Wir kommen endlich zur Besinnung.


